Unsere Reise hat begonnen

Kategorie: Rennes

Orgelkonzert

wie es der Zufall wollte, übte gerade ein Organist für die nächste Predigt. Die Resonanz der großen Kirche war gigantisch und so trödelte ich länger als nötig, nur um noch mehr von der Musik mitzuerleben.

Schneeflittchensarg

Überall waren Marmorfiguren in liturgischen Gewänder aufgestellt, der Schneeflittchensarg hatte es mir mit morbider Neugier angetan. Bei den verkrümmten Händen des Ausgestellten mußte ich an Dan Brown denken, war dieser Würdenträger ebenfalls vergiftet worden??? Und wie konnten sie ihn so lange konservieren? Herrschte in dem Sarg ein Vakuum, so daß die Verwesung nicht weiter fortschritt?

der Hitze entfliehen

Die aus Granitgestein erbaute Kathedrale ist eine dreischiffige Basilika mit Umgangschor. Die Glockentürme sind fünfgeschossig und trotz ihrer langen Bauzeit insgesamt sehr einheitlich gestaltet. Über dem Mittelteil der Fassade befindet sich ein steinernes Wappen des Königs Ludwig 14.

Der Sommer hat uns endlich gefunden, bei 36 Grad waren wir froh, ins Innere der Kühle versprechenden Kirche flüchten zu können, obwohl ich anfangs gar nicht begeistert war, mich in ein schickliches Tuch einzuwickeln, um meine Knie zu bedecken. Doch das Innere der Kirche, das von annähernd 20 Säulen mit ionischen Kapitellen dominiert wird, entschädigte mich sehr schnell für den vermeintlichen Aufwand!

Kathedrale

Die dem Apostel Petrus geweihte Kirche steht an der Stelle von zwei Vorgängerbauten zu Zeiten des Herzogtums Bretagne (850 – 1532). 1490 verlor der gotische Bau seine Westfassade durch Einsturz, diese wurde bis 1620 im Stil der Renaissance neu gebaut. 1756 wurde nach einem Baugutachten das gesamte Langhaus mitsamt dem Chorbereich abgerissen und ab 1787 in klassizistischem Stil wiederaufgebaut. während der Revolutionszeit stockte der Bauforschritt und wurde erst 1845 vollendet. war das Innere der Kirche ursprünglich weitgehend dekorlos, so wurden in der 2. Hälfte des 19. Jhd. diverse Stuckarbeiten, Vergoldungen und Malereien angebracht.

Erneuerung des Nationalismus

Im 20. Jhd. erlebte der bretonische Nationalismus erneut Auftrieb. Er zeigte sich in kulturellen Initiativen, etwa der Wiederbelebung der bretonischen Sprache, aber auch in gewaltsamen Aktionen. So wurde in Rennes ein Denkmal gesprengt, das an den Treueschwur der Bretonen gegenüber Frankreich erinnerte. Der Versuch der deutschen Invasoren, diese Bewegung im 2. Weltkrieg für ihre Zwecke auszunutzen, scheiterte. Die Bretonen beteiligten sich, ebenso wie die Franzosen am Kampf gegen die Besatzungsmacht, die 1944 aus Rennes wieder abzog.

viva la revolution!

1789 zeigten sich zunächst deutliche Sympathien für die Revolution, als diese sich dann gegen die Kirche wendete, zeigte sich bei der traditionsverbundenen Bevölkerung widerstand, der von der Zentralregierung in Paris niedergeschlagen wurde. Um künftigen Unabhängigkeitsbestrebungen vorzubeugen, wurde die Bretagne in fünf Departements aufgeteilt.

Rennes

Chlodwig 1., dem Begründer des Frankenreiches gelang es 497 eine Oberhoheit der Merowinger über die Bretonen (von Briten) zu etablieren. Karl der Große errichtete im Osten die Bretonische Mark, die die Grafschaften Rennes, Hannes und Nantes umfasste. Gegen die Bretagne selbst zog Karl 786 und 799, ohne sie seinem Reich einverleiben zu können. 1066 war mit Alain 4. der letzte bretonisch sprechende Herzog in der Bretagne. 1203 gelangte die Bretagne unter die Oberhoheit Frankreichs. 1341 wurden die Engländer vom Kontinent vertrieben. 1481 näherte sich Franz 2. den Habsurgern an, konnte jedoch nicht verhindern, daß der französische König nach seinem Tod die Residenz Rennes angriffen und die Hochzeit der Erbtochter Anne mit König Karl 8. erzwangen, wodurch dieser zum Erben des Herzogtums wurde und es 1491 der französischen Krone unterwarf. Das Gebiet wurde 1532 durch König Franz 1. offiziell mit Frankreich vereinigt.

Prosperierender Handel

Rennes wuchs durch den anwachsenden Überseehandel, die Tuchproduktion und die Landwirtschaft. 1643 unter Ludwig 14. stiegen die Belastungen derart an, und die bislang den Bretonen gewährte Steuerfreiheit auf Salz wurde aufgehoben, demzufolge kam es 1675 zum Aufstand gegen die Papiersteuer, der blutig niedergeschlagen wurde.

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